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~/scl-ki.de
GESCHRIEBEN // 3 Min

Drei KI-Werkzeuge, ein Regelwerk

Claude, Codex und Kimi arbeiten hier an denselben Projekten. Damit sie sich nicht gegenseitig die Arbeit zerlegen, teilen sie sich eine einzige Regeldatei.

Es ist verführerisch, jedes KI-Werkzeug für sich einzustellen: Hier ein paar Regeln für den einen Assistenten, dort eine andere Konvention für den nächsten. Solange man nur ein Werkzeug nutzt, fällt der Schaden nicht auf. Sobald mehrere Agenten am selben Projekt arbeiten, zeigt sich das Problem: Einer rückt mit zwei Leerzeichen ein, der andere mit vier; einer schreibt Tests zuerst, der andere gar keine; einer dokumentiert am Ende der Sitzung, der andere verwirft den Kontext. Das Ergebnis ist ein Projekt, das aussieht, als hätten drei Fremde aneinander vorbei gearbeitet — weil genau das passiert ist.

Eine Datei, dreimal abgelegt

Die Lösung ist hier so einfach wie konsequent: Es gibt genau eine Regeldatei, und sie liegt wortgleich an den drei Orten, an denen die Werkzeuge sie suchen. Darin steht, worauf es ankommt — Antwortsprache, Einrückung, das Verbot von Emojis im Code, die Pflicht, Tests vor dem Code zu schreiben, und das Verbot, Tests anzupassen, nur damit sie grün werden. Dazu kommt die Pflicht-Lesereihenfolge: Bevor ein Agent irgendetwas tut, liest er die Projektdokumentation — Architektur, letzter Stand, bekannte Fehler — statt aus dem Quelltext zu raten.

Wichtig ist dabei, was nicht in dieser Datei steht: keine ausformulierten Abläufe, keine Vorlagen, keine Epik. Eine Regeldatei, die beim Start jeder Sitzung gelesen wird, konkurriert um den knappesten Rohstoff des Systems — das Kontextfenster. Alles, was länger ist, liegt in separaten Anleitungen, die nur geladen werden, wenn sie gebraucht werden. Die Regeldatei selbst bläht sich sonst über Monate auf, bis niemand mehr weiß, welche ihrer Regeln noch gelten.

Das Ritual am Sitzungsende

Der zweite Pfeiler ist ein festes Abschlussritual. Sagt man „fertig”, laufen immer dieselben Schritte: Das Sitzungsprotokoll wird ergänzt, der Projektstand aktualisiert, wiederkehrende Fehler wandern in die Fehlerdokumentation, und das, was über das Projekt hinaus gültig ist, in das gemeinsame Notizarchiv. Ohne dieses Ritual ist jede Sitzung eine Schreibweise, die mit dem Schließen des Fensters verfällt. Mit ihm baut jedes Projekt eine Gedächtniskette, in der die nächste Sitzung dort ansetzt, wo die letzte aufgehört hat — egal, welches Werkzeug sie führt.

Was das kostet und was es bringt

Der Preis ist Disziplin am Anfang: Die Regeldatei muss einmal durchdacht und danach diszipliniert kurz gehalten werden; jede echte Regeländerung muss an drei Stellen gepflegt werden, sonst driftet das System auseinander. Der Gewinn ist, dass der Werkzeugwechsel nichts mehr kostet. Ob eine Aufgabe heute mit dem einen oder morgen mit dem anderen Agenten weitergeht, ist eine Frage der Laune und der Verfügbarkeit — nicht mehr eine des Kontextverlusts.

Und es gibt einen Nebeneffekt, der unterschätzt wird: Wer für drei Agenten Regeln aufschreibt, muss sie einmal für sich selbst präzisieren. Die Regeldatei ist damit weniger eine Anleitung für die Werkzeuge als eine ehrliche Beschreibung der eigenen Arbeitsweise — mit dem angenehmen Effekt, dass man sich jetzt selbst daran halten muss.

Ein Vorhaben, das gebaut werden will?